Seiteninhalt
Synonyme
Polyzystisches Ovarial-Syndrom, PCOS, früher: „Stein-Leventhal-Syndrom“
Klassifikation
ICD-10: E28.2
Definition
Schwäche der Eierstöcke, in deren Folge zu wenig Östrogene gebildet werden. Die Eizellen reifen oft nicht vollständig aus, es bilden sich Zysten und es bleiben immer mehr Eisprünge aus. Dadurch kommt es auch zu selten zur Bildung von Gelbkörpern und es mangelt an Gelbkörperhormon (Progesteron). In Relation zu den weiblichen überwiegen oft die männlichen Steroidhormone.
Häufigkeit
bis zu 12% aller Frauen in Europa; eine der häufigsten Erkrankungen und Sterilitätsursachen bei prämenopausalen Frauen
Ursachen & begünstigende Faktoren
In der Schulmedizin gilt die Ursache des PCO-Syndroms als nicht bekannt. Eine wesentliche Rolle scheinen die Insulinresistenz und die verstärkte Androgenwirkung zu spielen.
Das Darmmikrobiom von Frauen mit PCO unterscheidet sich signifikant von dem nicht betroffener Frauen, so daß hier inzwischen auch ein ursächlicher Zusammenhang gesehen wird. Bei Frauen mit PCO ist häufig die Darmbarriere gestört (Zonulin in Blut und Stuhl erhöht). Es kommt zu einem vermehrten Übertritt von Lipopolysacchariden aus den Zellwänden gramnegativer Darmbakterien ins Blut. Hier aktivieren diese das Immunsystem und verursachen so eine schwelende Entzündungsreaktion (silent inflammation) mit erhöhten Spiegeln von TNF-α und CRP. In weiterer Folge entwickelt sich eine Insulinresistenz mit chronisch erhöhten Insulin- und IGF-I-Spiegeln, die wiederum die Androgensynthese steigern.
Rauchen und Übergewicht der Mutter während der Schwangerschaft erhöht das Risiko der Töchter für die Entwicklung eines PCO.
weitere mögliche Ursachen
Blutzuckerspitzen (glykämische Hypervariabiität)
Hyperinsulinämie
Insulin erhöht die Testosteronproduktion in den Eierstöcken.
Je höher der Insulinspiegel, desto ausgeprägter die Symptome!
Ernährungsfehler
- zu viel Fruktose
- zu viele industriell stark verarbeitete Nahrungsmittel
hinweisende Symptome
- Häufiges oder gänzliches Ausbleiben der Regelblutung
- unerfüllter Kinderwunsch
- Ansätze von männlichem Haarwuchs (Hirsutismus), Glatzenbildung am Kopf
- Akne
- oft (aber nicht immer!) Gewichtsprobleme (Etwa 25% der PCOS-Patientinnen sind übergewichtig, ungefähr 40% adipös) → die Hyperinsulinämie erschwert die Fettverbrennung!
mögliche Folgeerkrankungen & Risiken
- Diabetes mellitus
- Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis)
- Herzinfarkt, Schlaganfall
- Depression
- Fehlgeburten
- Endometriumkarzinom
Diagnostik
Diagnosekriterien des PCOS (nach der internationalen Konsensus-Konferenz in Rotterdam, 2003):
- seltene oder keine Eisprünge (Oligo- und/oder Anovulation)
- erhöhte Werte der männlichen Geschlechtshormone (Hyperandrogenämie) und/oder klinische Zeichen der vermehrten Wirkung männlicher Geschlechtshormone: männlicher Behaarungstyp („Damenbart“), Glatzenbildung, Akne
- vergrößerte Ovarien mit mehreren oder zahlreichen kleinen Zysten im Ultraschall
- Ausschluß anderer Ursachen wie (z. B. Cushing-Syndrom, Late-Onset-AGS [adrenogenitales Syndrom], androgenproduzierende Tumore
Untersuchungen
Ultraschalluntersuchung beim Gynäkologen:
→ mit oft zahlreichen kleinen Zysten besetzte, vergrößerte Eierstöcke (Ovarien)
Abklärung der Schilddrüse
- Ultraschall der Schilddrüse
- Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4)
Steroidhormone
- Östrogene
- Progesteron
- FSH, LH
Zuckerstoffwechsel
- HbA1c
- HOMA-Index (Glukose + Insulin) nüchtern!
Schilddrüsenwerte
- TSH, fT3, fT4
ggf. Entzündungswerte
keine routinemäßige Kassenleistung!
Therapie
Westliche Leitlinentherapie (Schulmedizin)
- Gabe von Antiandrogenen
- Zyklusregulation durch kombinierte orale Kontrazeptiva
- ovarielle Stimulation mit Letrozol etc.
All diese Maßnahmen zielen nicht auf die Behebung der Krankheitsursache, sondern dienen einzig der Symptombekämpfung und Schadensbegrenzung. Die gesundheitlichen Risiken sind immens und werden nach meiner Erfahrung von den behandelnden Kollegen regelmäßig verharmlost.
Ganzheitsmedizinische Behandlungsmöglichkeiten
Basisbahandlung
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Allein durch eine Gewichtsabnahme von 5% des Körpergewichts kann es zu einer Zyklusnormalisierung mit Ovulationen, Senkung der Androgenspiegel und spontanen Konzeptionen bei PCOS-Patientinnen kommen.
Entscheidend ist hierbei vor allem die konsequente (durch einen erfahrenen Ernährungstherapeuten begleitete) Ernährungsumstellung mit Verzicht auf zunächst alle Getreidesorten, Zucker, Kartoffeln, Reis und tierische Fette!
Bewegung
Nicht nur bei Übergewicht ist regelmäßige sportliche Bewegung unerläßlich zur Besserung der Insulinresistenz und zur Vermeidung weiterer Risiken!
unbedingt Vermeidung von Blutzuckerspitzen!
Sollten wir im Rahmen Ihrer ganzheitsmedizinischen Untersuchung einen erhöhtem HOMA-Index festgestellt haben, ist die Durchführung der besprochenen Maßnahmen zur Vermeidung von Blutzucker- und Insulinspitzen zwingende Voraussetzung für eine Normalisierung des Hormonhaushalts.
Orthomolekulare Medizin

Voraussetzung für eine Besserung oder Heilung ist es immer, dem Organismus das zu geben, was er zur normalen Funktion braucht. Das heißt, Mängel an Mikronährstoffen müssen alle erkannt und effektiv behoben werden. Dabei bedarf es einer Menge Fachwissen aus der Orthomolekularmedizin und zuverlässiger Laboruntersuchungen. Wenden Sie sich deshalb unbedingt an einen in diesen Dingen erfahrenen Therapeuten, der Ihre Mängel gezielt aufdecken und mit Ihnen einen individuellen Substitutionsplan erstellen kann.
Die blinde Einnahme irgendwelcher Nahrungsergänzungsmittel ohne genaue Kenntnis der eigenen Mängel und ohne fachliche Beratung ist nicht sinnvoll und kann in Einzelfällen sogar schaden!
Am häufigsten werden folgende Mängel in unterschiedlichem Ausmaß gefunden und bedürfen der individuell dosierten Substition:
- Omega-3-Fettsäuren (Vor allem finden wir oft einen massiven Mangel an EPA, aber auch für DHA sind die Werte häufig deutlich zu niedrig)
- Vitamin D3
- Zink, Selen, Jod
- Magnesium, Kalium, Mangan
- Chrom
- u.a.
Um Ihre individuellen Mikronährstoffmängel aufzudecken und eine effektive Substitutionstherapie einzuleiten bieten wir Ihnen unsere Ganzheitsmedizinische Untersuchung an.
Ernährungsumstellung
Nach erfolgreicher Gewichtsreduktion (s.o.) sollte die Ernährung weiterhin arm an Kohlenhydraten, Tiermilch und tierischen Fetten bleiben.
Dafür sollten vermehrt Ballaststoffe (Chiasamen, Konjak Pulver, Kokosmehl, Haferkleie oder auch Leinsamen) zugeführt werden.
Hier ist ein Ernährungscoaching oder zumindest eine professionelle Ernährungsberatung dringend zu empfehlen, sonst verschlimmbessert man die Situation nur allzu leicht!
Ergänzend gibt es die Möglichkeit des Seed Cyclings, die sich bei manchen meiner Patientinnen zur Stabilisierung des Zyklus bewährt hat.
Vermeiden Sie unbedigt Blutzuckerspitzen!
Eine nachgewiesener Insulinresistenz muß auf jeden Fall behandelt werden. Aber auch bei normalem HOMA-Index sollte auf eine entsprechende Ernährungsweise geachtet werden, um die Entwicklung einer Insulinresistenz von vorn herein zu vermeiden.
Mikrobiotik
Sanierung der Darmflora / Behandlung eines leaky-gut
Präbiotika wie Inulin o. resistente Stärke können die Darmbarriere verbessern.
In Studien führten beispielsweise 20g resistente Stärke täglich zu einem deutlichen Rückgang der Entzündungsmarker und des Testosteronspiegels, sowie zu einem regelmäßigeren Zyklus.
Gezielte Sanierung der Scheidenflora (Vagicheck)
Sollte Ihr Gynäkologe einen Vagicheck nicht anbieten, so führen wir diesen im Rahmen einer Ganzheitsmedizinischen Untersuchung durch.
Bioidentische Hormontherapie (BHT)
→ Behandlung der Östrogendominanz
Ausschließlich durch einen erfahrenen Ganzheitsmediziner! Unter dem Begriff „Bioidentisch“ werden oft unreflektiert Hormone ohne vernünftige Kontrolle verabreicht, was durchaus riskant sein kann.
Homöopathie
häufig angewendete Einzelmittel
Die PCO-Behandlung gelingt homöopathisch (manchmal erstaunlich effektiv) nur nach Ausgleich aller Mikronährstoffmängel im Rahmen einer Konstitutionsbehandlung und mit der genauen Kenntnis des zugrundeliegenden Miasmas. Die Mittelfindung ist nicht einfach und bedarf einer ausgiebigen Anamnese und Testung (Zeitaufwand oft 1-2 Stunden) und vor allem großer Erfahrung. Wenden Sie sich daher unbedingt an einen in klassischer Homöopathie sehr erfahrenen Therapeuten!
Bisher in unserer Praxis erfolgreiche Einzelmittel im Rahmen eines Gesamtbehandlungskonzeptes und nach individueller Bestimmung der zugrundeliegenden Konstitution:
Folliculinum (foll.)
siehe → Folliculinum (foll.)
Apis mellifica (apis)
siehe → Apis mellifica (apis)
weitere studiengesicherte Therapieansätze
Berberin
Berberin wirkt genauso effektiv wie Metformin, um den Testosteronspiegel zu senken, die Dyslipidämie zu verbessern und die Insulinresistenz zu vermindern.
Querceptin
erhöht Expression von Adiponectin-Rezeptoren und senkt die Insulinresistenz
⇒ Querceptin 2x 500mg tgl.
Genistein Lutein
senkt LH, Testosteron, Dehydroepiandrosteronsulfat
⇒ Genistein Lutein 2x 18mg tgl.
Sojaisoflavone
- Reduktion des HOMA-Index
- Verminderung des freien Androgen-Index
- Verminderung der Serumtriglyceride
⇒ Sojaisoflavone 50mg tgl.
Chrom
- Reduktion des Insulinspiegels
- Verminderung des HOMA-Index
- Verminderung des Insulinspiegels
- Verminderung des sCRP
⇒ Chrom-Picolinat 200µg Chrom tgl.
Web-Adresse dieser Seite als QR-Code zur bequemen Weitergabe
