Chronischer Symptomenkomplex, bei dem muskuloskelettale Schmerzen im Vordergrund stehen. Bisher ist die eigentliche Ätiologie unbekannt und die diagnostischen Kriterien sind unscharf.
ICD-10: M79.70 (Fibromyalgie: Mehrere Lokalisationen)
Prävalenz 1,4 – 6,6% in der Gesamtbevölkerung
- Die westliche Schulmedizin bezeichnet Fibromyalgie inzwischen als „noziplastisches Schmerzsyndrom wahrscheinlich durch eine Störung des körpereigenen Schmerzkontrollsystems„
10-25% der Patienten sollen an einer „Small-Fiber-Neuralgie“ leiden. - In der Ganzheitsmedizin wird die gestörte Funktion der Mitochondrien als eine der Hauptursachen angesehen und damit eine entsprechend oft effektive Behandlung ermöglicht.
nach TCM
- Leber-Qi-Stagnation → Milz-Qi-Schwäche (Übergriff von Holz auf Erde)
- ständige o. wiederkehrende unterschiedlich starke generalisierte Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat (Muskeln, Sehnen, Gelenke)
- Morgensteifigkeit der Gelenke
- oft extreme Muskelverspannungen mit Myogelosen und sehr schmerzhaften Druckpunkten (Ursächlich ist hier die starke Übersäuerung des Gewebes durch die ständige Muskelspannung, die im Sinne eines Teufelskreises die Muskelhärte wiederum verstärkt).
häufige Begleitsymptome
- Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf
- Fatigue, Erschöpfung
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Schmerzen im Unterbauch
- kalte Hände und Füße
- Parästhesien (Taubheitsgefühl)
- vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis)
- Müdigkeit
- körperliche und geistige Erschöpfung
- „Fibro-Fog„: Gedächtnisstörungen, kognitive Störungen (Konzentrationsstörungen, verlangsamte Denkabläufe)
- Überempfindlichkeit des Geruchssinns
- Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit
- Neigung zu Depression und Angststörungen
Überdurchschnittlich häufig finden sich in der Kindheit starke körperliche Schmerzerlebnisse oder psychische Traumata (Fehlen o. gestörtes Verhältnis zu einer Bezugsperson, Überforderung, Mißhandlung). Die Fibromyalgie ist aber nicht als direkte Traumafolge zu verstehen. Vielmehr vermindern traumatische Erlebnisse die Streßbelastbarkeit in manchen Fällen derart, daß sich das Risiko für die Entwicklung einer Fibromyalgie deutlich erhöht.
Symptomatik nach TCM
Leber-Qi-Stagnation:
- Muskelschmerzen am ganzen Körper
- Verletzbarkeit der Sehnen
Milz-Energie-Schwäche:
- Blähungen
- Verdauungsstörungen, „Reizdarm„
- Schleimig-breiige Stühle
Labor
Alle Laborwerte, v.a. Entzündungs- und Rheumawerte sind in der Regel unauffällig!
S3-Leitlinienempfehlung:
- kl. BB (→ Ausschluß rheumatische Erkr.)
- BSG, CRP (→ Ausschluß entzündliche Ursache)
- CK (→ Ausschluß Myopathie)
- Ca (→ Ausschluß Hyperkalzämie)
- TSH (→ Ausschluß Hypothyreose)
- 25-OH-Vit.D (→ Ausschluß Vit.-D-Mangel)
Anamnese
Widespread Pain Index (WPI)–
Symptomschweregrad (SSG)–
Deutscher Schmerzfragebogen (DSF)
–
ACR-Kriterien (2016)
- WPI >= 7 und SSG >= 5
oder WPI 4-6 und SSG >= 9 - Generalisierte Schmerzen in mind. 4 Körperregionen (rechts oben, links oben, rechts unten, links unten, axial)
- Konstante Beschwerden über mind. 3 Monate
- Ausschluß somatischer Krankheitsfaktoren, welsche die Beschwerden hinreichend erklären.
Ganzheitsmedizinische Untersuchung
Inklusive Laborbestimmung der wichtigsten Mikronährstoffe!
TCM
Syndrom-Diagnose durch erfahrenen Therapeuten.
Störherd-Diagnostik
Störherde sind manchmal mitverursachend. Fast immer verhindern Sie aber eine Ausheilung der Fibromyalgie!
Therapie
Westliche Leitlinienmedizin
Die Westliche Schulmedizin kennt derzeit keine zielführende „evdenzbasierte“ Therapiemöglichkeit. Einzig beim nachweislichen Vorliegen einer Neuropathie können die Symptome in manchen Fällen medikamentös gemildert werden.
Nach Jahren des Ausprobierens aller möglichen und unmöglichen Pharmaka zeigte lediglich der Opioid-Gegenspieler Naltrexon in niedriger Dosierung etwas Wirkung.
Quelle:
PD Dr. Michael Überall, ÄrzteZeitung N° 59/22, 15.09.2022 Massagen nicht als Therapie Massagen können privat als Wellnessmaßnahme durchaus durchgeführt werden, sollten aber nicht medizinisch verordnet werden, da so eine Chronifizierung nachweislich verstärkt wird!Basismaßnahmen
Mikronährstoffe
Voraussetzung für eine Besserung oder Heilung ist es immer, dem Organismus das zu geben, was er zur normalen Funktion braucht. Das heißt, Mängel an Mikronährstoffen müssen alle erkannt und effektiv behoben werden. Dabei bedarf es einer Menge Fachwissen aus der Orthomolekularmedizin und zuverlässiger Laboruntersuchungen. Wenden Sie sich deshalb unbedingt an einen in diesen Dingen erfahrenen Therapeuten, der Ihre Mängel gezielt aufdecken und mit Ihnen einen individuellen Substitutionsplan erstellen kann.
Die blinde Einnahme irgendwelcher Nahrungsergänzungsmittel ohne genaue Kenntnis der eigenen Mängel und ohne fachliche Beratung ist nicht sinnvoll und kann in Einzelfällen sogar schaden!
Häufig zu substituierende Mikronährstoffe:
Magnesium⇒ 200-400mg tgl. als Magnesiumcitrat, -malat, bisglycinat
Coenzym Q10Ubiquinol (reduziertes Q10) wird besser vom Körper aufgenommen als Ubiquinon (oxidiertes Q10).
⇒ 3x tgl. 200mg Ubichinol tgl.
D-Ribose⇒ 3-5g tgl. (ggf. Steigerung nach jewils 14 Tagen auf max. 15g pro Tag)
D-Ribose hat keine Wirkung auf den Blutzucker- o. Insulinspiegel und ist für Diabetiker geeignet!
L-Carnitin ⇒ 300-500mg pro Tag R(+)-Alpha-Liponsäure⇒ 300-600mg pro Tag stabilisierte R(+)-Alpha-Liponsäure
Kreatin⇒ 3-5g pro Tag als Kreatinmonohydrat
B-Vitamineals Vitamin-B-Komplex tgl.
z.B. B-form Komplex + ⇒ 1 Kps. vorm Schlafengehen
Omega-3-Fettsäuren (EPA&DHA)Substitution, so daß Omega-3-Index > 8% bzw. Omega-6:Omega-3 < 10
- erhöhen den bei PTBS abgesunkenen Wert des BDNF als Zeichen für eine Erholung des Hippocampus im Gehirn
Quelle: Zemdeg et al. 2018; Matsuoka et al. 2011
Bei Nachweis einer KPU / HPU reichen oral zugeführte Mikronährstoffe in der Regel zumindest zu Beginn der Therapie und in bestimmten Krankheitsphasen nicht aus, zudem häufig auch die gestörte Verdauung die Aufnahme der Supplemente oft nicht leisten kann. Daher ist in diesen Fällen zunächst eine Verabreichung der wichtigsten Substanzen in Form von Infusionsserien und wiederholten intramuskulären Injektionen notwendig. Später kann nach Besserung des Gesamtzustandes häufig auf eine rein orale Substitution übergegangen werden.
Artgerechte Ernährung
- Den Hauptbestandteil der Ernährung sollten Speisen aus regionalen, frischen Zutaten ausmachen.
- Fertiggerichte und stark verarbeitete Produkte sind zu meiden.
- Glutenhaltige Getreideprodukte und Tiermilcherzeugnisse müssen auf ein Minimum reduziert werden!
- Vegetarische oder gar vegane Ernährung ist bei diesem Krankheitsbild unvorteilhaft, da hochwertiges Bio-Fleisch viele für eine gesunde Mitochondrienfunktion wichtige Nährstoffe liefert. Ggf. ist auf eine entsprechende Substitution dieser Mikronährstoffe zu achten. Hierzu sollte Sie Ihr Fachtherapeut individuell beraten.
Schlafhygiene
Ausreichende Regenerationsphasen und regelmäßige Tagesstrukturen helfen, Energieverbrauch und Energiegewinnung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Zum Erhalt gesunder Schlafphasen ist zu beachten:
- regelmäßige Nachtschlafzeiten von mindestens 6-8 Stunden
- Kein Smartphone, keine Smartwatch o.ä. im Schlafzimmer (auch nicht auf dem Nachttisch!)
- Kein Einschlafen mit laufendem Fernseher oder mit Podcast auf den Ohren!
Bewegung
zum Beispiel:
- Pilates
- Zumba
- Tai-Chi
- isokinetische Übungen
- Gehen, Wassergymnastik, Schwimmen ⇒ 3x pro Woche 25-40 Minuten (mind. 15% Schmerzreduktion nach 6-20 Wochen)
Quelle: Metaanalyse der Universität Córdoba
Muskelaufbauprogramme
- Strukturiertes Bewegungs- und Krafttraining (aerob und anaerob)
Wärme- und Kältereize
Entspannungstechniken
- Wechselduschen
- Thermalbäder
- Ganzkörperkältetherapie (GKKT) (s.u.)
Ideal sind QiGong-Übungen, die Entspannung, Atemtechnik und Muskeltraining integrieren.
Yoga wie es hier in Kursen und durch europäische Trainer vermittelt wird, ist in diesem Fall eher kontraproduktiv. Authentische Yoga-Retreats sind bei entsprechenden Vorkenntnissen und einer passenden Lebenseinstellung dagegen durchaus heilsam.
…in Kombination mit
- Kognitiver Verhaltenstherapie
- Basic-Body-Awareness
- Mindfullnesstherapie
- Imaginationstherapie
- Musiktherapie in Gruppen
- Aufmerksamkeitslenkung
- Edukation bezüglich Copingstrategien
Bioidentische Hormontherapie (BHT)
PregnenolonPregenenolonsulfat im Plasma soll 150 – 300 µg/l
⇒ ca. 30-60mg tgl. p.o. morgens
Akupunktur (Zen Fa)
- Das Leber-Qi zum fließen bringende Punktkombinationen durch erfahrenen Therapeuten
QiGong
Ernährung nach TCM
Qi-bewegende, kühlende Lebensmittel:
- Couscous, Reis, Linsen
- Aubergine, Blumenkohl
- Chinakohl, Blattsalate, Stangensellerie, Petersiele
- Apfel, Birne, Aprikose
- Huhn, Forelle, Hering
- Sesam
- Kardamom
- grüner Tee, Pfefferminztee, Salbeitee (nicht in Schwangerschaft/Stillzeit)
Balneotherapie
Heilwässer
Unbehandelte Wässer aus Artesischen Quellen
⇒ 1,5 Liter gleichmäßig über den Tag verteilt trinken (statt z.B. Leitungswasser o. industriell verarbeitete Mineralwässer)
Sonstige Behandlungsmöglichkeiten
Palmitoylethanolamidz.B. Vitstore PEA 100% Pur 150 Kapseln 400mg ⇒ 4x tgl 1 Kps. zum Essen über mindestens 4-8 Wochen
Hilfreiche Adressen & Links
Selbsthilfe
Netzwerke
- –
Kliniken
- –
Literatur
- –

Web-Adresse dieser Seite als QR-Code zur bequemen Weitergabe
Sonstige Therapieformen
Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)
Wie funktioniert die tDCS?
Mit einer Art Headset werden zwei Oberflächenelektroden auf der Haut links u. rechts im Stirnbereich plaziert. Durch Anlegen einer niedrigen Spannung (wenige Volt) wird ein schwacher Strom (wenige mA) induziert.
In der Hirnrinde unter dem Pluspol (Anode) kommt es dabei zu einer Depolarisation der Nervenzellkörper und somit zu ihrer erhöhten Erregbarkeit. Umgekehrt wird unter dem Minuspol (Kathode) die Erregbarkeit gehemmt.
Es kann somit gezielt die kortikale Aktivität im Gehirn moduliert werden.
Bildgebende Untersuchungen konnten z.B. zeigen, dass bei Depressionen Neuronen im linken dorsolateralan präfrontalen Kortex (DLPFC) unteraktviert sind. Legt man die Anode über dem linken DLPFC an, kann die neuronale Aktivität erhöht werden, was einen antidepressiven Effekt hat. Je nach Erkrankung können die verwendeten elektrischen Felder gezielt angepasst werden.
Für die Behandlung von Depressionen ist die Wirksamkeit der tDCS inzwischen hinreichend wissenschaftlich nachgewiesen. Zu kognitiven Defiziten und der Fibromyalgie gibt es zahlreiche Studien, die gute Effekte zeigen; große Placebo-kontrollierte Studien stehen allerdings noch aus.
Zu Angststörungen und AD(H)S gibt es langjährige gute Erfahrungen in zahlreichen ganzheitsmedizinischen Kliniken u. Praxen v.a. in der Schweiz.
Die Effekte lassen bei einmaliger Anwendung rasch (innerhalb von Minuten) nach. Bei wiederholter Anwendung über mehrere Wochen bis zu täglich können jedoch anhaltende Effekte erreicht werden.
Inzwischen sind tDCS-Headsets für die Behandlung zu Hause erhältlich, die vom Patienten über eine Handy-App selbst gesteuert werden. Dauer und Häufigkeit der ca. 30-minütigen Behandlungen werden vom Therapeuten individuell festgelegt.