Psychopharmaka-Entzugssyndrome (PES)

Definition

Akute und Langzeitfolgen nach Absetzen oder Dosisreduktion eines Psychopharmakons werden von der klassischen Psychiatrie und der Pharmaindustrie noch immer als „Absetzphänomene“ verharmlost oder ignoriert. In der Praxis werden Symptome, die sich nach Absetzen o. Dosisreduktion einer Medikation zeigen, immer noch als Wiederauftreten o. Rückfall der ursprünglichen Erkrankung fehlinterpretiert – mit verheerenden Folgen für die betroffenen Patienten. In Anlehnung an die herausragende wissenschaftliche Arbeit und langjährige Erfahrung von Fava, Gerhard Gründer und anderer bevorzuge ich den Begriff Entzugssymptomatik bzw. Entzugssyndrom, der wissenschaftlich korrekt und weniger verschleiernd ist.

Im Angelsächsischen Sprachgebrauch hat sich der Begriff Antidepressant Discontinuation Syndrom (ADS) etabliert.

Antidepressiva-Entzugssyndrom (ADES)

  • Entzugserscheinungen treten bei SSRI am häufigsten unter Paroxtin, am seltensten unter Fluoxetin auf.
  • Bei SNRI treten schwere Entzugserscheinungen am häufigsten unter Venlafaxin auf.

Meist zeigen sich die ersten Symptome innerhalb der ersten 1-10 Tage nach Dosisreduktion o. Absetzen eines SSRI/SNRI. Es kann aber auch noch im späteren Verlauf (nach Monaten) spontan zu typischen Entzugssymptomen kommen.

Wichtig zu erkennen sind:

  • Symptome, die vor der Behandlung nicht aufgetreten sind
  • das Wiederauftreten ursprünglicher Symptome in größerer Intensität

anhaltende Antidepressiva-Entzugsstörung (AADES)

  • Symptome, die vor der Behandlung nicht aufgetreten sind
  • Wiederauftreten ursprünglicher Symptome in größerer Intensität
  • Dauer mehr als 6 Wochen

Meist zeigen sich die ersten Symptome innerhalb der ersten drei Tagen nach Dosisreduktion o. Absetzen eines SSRI/SNRI. Es kann aber auch noch im späteren Verlauf zu Entzugssymptomen kommen.

  • verminderte oder fehlende Libido
  • Ejaculatio praecox (eindeutiges Rebound-Phänomen nach Absetzen von SSRI/SSNRI)

FINISH

Symptome, die spezifisch das Absetzen serotonerger Antidepressiva charakterisieren:

  • Flu-like symptoms (grippeähnliche Symptome)
  • Insomnia (Schlafstörungen, erhöhte Traumaktivität, Albträume)
  • Nausea (Übelkeit)
  • Imbalance (Schwindel)
  • Sensory Disturbaces (Dysästhesien, Zaps (elektroschlagähnliche Sensationen))
  • Hyperarousal (Angst, Unruhe, Reizbarkeit, Anspannung)

Quellen, Links & Literatur

[01]